Pflege deine Schwächen liebevoll!

Schwächen. Jeder hat sie. Aber kaum etwas fühlt sich so unangenehm an, wie die eigene, sichtbare Schwäche – besonders wenn sie genau in einem Bereich liegt, in dem man eigentlich stark sein will. Bei mir ist das das Sprechen vor Gruppen.

In meinem Job zum Beispiel kann ich: Prozesse strukturieren, Projekte managen, Teams koordinieren und noch viel mehr…. Aber sobald mehrere Menschen zuhören, blockiert mein Kopf, ich weiß nicht mehr was ich sagen soll, verliere den Faden, werde unsicher, manchmal bis zum Blackout.

Ich sage wirklich selten, dass ich etwas hasse… aber hier würde ich sagen: Ich hasse es! (noch)
Bevor ich vor der Gruppe stehe, hab ich so viele Ideen im Kopf, so viel Klarheit, so viel, was ich zu Teilen habe – und dann von einem Moment auf den anderen, alles weg und ich fühl mich wie der größte Depp, weil alles weg ist und nicht hinbekomme vor zehn Menschen zu sprechen. Schon bei fünf Menschen fühl ich mich unsicher die Rednerin zu sein….

Pflege deine Schwächen liebevoll.
…das beinhaltet gleich zwei Dinge.
1. PFLEGE sie.
2. Tu es LIEBEVOLL.

1. PFLEGE sie.
„Schwächen zu pflegen ist wie gute Pflege bei Krankheit: Sie macht stark.“
Eine Schwäche verschwindet nicht durch Härte und Ignoranz, sondern durch Aufmerksamkeit, Entlastung und gezieltes Training. Wer sich um seine eigenen wunden Punkte kümmert, gewinnt Stabilität – genau wie ein Körper, der mit guter Pflege wieder Kraft aufbaut.

Hier ist eine allgemeine, kurze Liste, was „Schwächen pflegen“ im echten Leben bedeuten kann:

  • Annehmen: sich eingestehen, dass die Schwäche da ist, ohne Drama.
  • Bewusstsein schaffen: Erkennen, dass die Blockade ein Reflex aus der Vergangenheit ist
    (emotional/psychologisch, fehlende Übung oder Gewohnheit).
  • Entlasten: Situationen anpassen, damit die Schwäche nicht unnötig triggert.
  • aktiv Unterstützung holen: offen um Hilfe bitten bzw. annehmen, Feedback einfordern
  • Üben in Mini-Schritten: kleine, machbare Einheiten statt große Sprünge.
  • Ressourcen nutzen: Methoden, Routinen, Werkzeuge nutzen, die den Bereich erleichtern.
  • Fortschritte würdigen: kleine Verbesserungen bewusst wahrnehmen.

Kurz: Eine Schwäche pflegen heißt, sie nicht zu bekämpfen, sondern ihr Raum zu geben, damit sie sich verändern kann.

2. Tu es LIEBEVOLL.
Pflege entfaltet ihre Wirkung nur, wenn sie freundlich und geduldig ist – auch im Umgang mit den eigenen Schwächen. Je weicher man mit sich umgeht, desto stabiler wird die eigene Entwicklung.

  • Ursprung anerkennen: Jede Schwäche hat eine Geschichte und ist nicht zufällig entstanden.
  • Schuld rausnehmen: Sie ist kein persönlicher Fehler, sondern ein erlernter Mechanismus.
  • Realistisch betrachten: Eine Schwäche definiert weder deinen Wert noch deine Gesamtkompetenz.
  • Innere Härte reduzieren & milde Formulierungen nutzen: Den kritischen Ton stoppen und bewusst sanft, sachlich und lernorientiert mit dir sprechen.
  • Vergleiche vermeiden: Deine Entwicklung zählt – nicht der Maßstab anderer.

Wenn man Schwächen ignoriert, wachsen sie trotzdem unbemerkt weiter… Sie kosten Energie, erzeugen Stress oder blockieren Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln.
Wenn man Schwächen wegdrückt, passiert etwas Typisches: Man läuft im Kreis. Die Schwäche verschwindet nicht – sie wartet. Und in Momenten, in denen man es am wenigsten gebrauchen kann, taucht sie wieder auf und man langt sich selbst voll in die Wunde. Autsch!

Bei mir wars genau das… ich bin in die nächste Präsentation gegangen… mit Druck und dem Gefühl, „funktionieren zu müssen“. Und genau damit hab ich die Blockade sogar noch stärker werden lassen… Durch Ignoranz verletzt man sich jedes Mal nur selbst, so als würde man sich selbst immer wieder auf dieselbe Stelle drückt, die ohnehin schon schmerzt.

ALSO: Schwächen liebevoll pflegen, statt sie zu verdrängen! Das nimmt ihnen die Macht und kann sie Schritt für Schritt in Lernfelder oder sogar neue Stärken verwandeln. 😉


ZUSATZ: Manchmal hat man eine Schwäche, die auch andere betrifft – und genau das tut besonders weh. Schnell entsteht das Gefühl, man hätte versagt. Doch auch hier gilt: Eine Schwäche ist kein Charakterfehler. Wichtig ist, sie zu erkennen, offen anzusprechen und klare Schritte zu setzen, damit sie weniger Schaden anrichtet. Wer Verantwortung übernimmt und daran arbeitet, zeigt Stärke – nicht Schwäche.


Der Schlüssel ist regelmäßige, liebevolle Praxis ♥️


Typische persönliche Schwächen:

  • Perfektionismus oder zu hohe Ansprüche an sich selbst
  • Prokrastination / Aufschieben von Aufgaben
  • Lampenfieber oder Angst vor Sichtbarkeit
  • Unsicherheit oder geringes Selbstvertrauen
  • Emotionale Reizbarkeit, Ungeduld oder leichtes Frustrieren
  • Schwierigkeit, Grenzen zu setzen oder Nein zu sagen
  • Schwierigkeiten mit Stress- oder Konfliktsituationen
  • Impulsivität oder unüberlegtes Handeln
  • Schwierigkeit, Routinen oder gesunde Gewohnheiten aufrechtzuerhalten
  • Selbstkritik oder Neigung zum Grübeln